Bogenschießen: Ein Traditionssport

Bogenschießen: Ein Traditionssport

 

 

Es ist die älteste Methode der Menschen, Wild zu erlegen und dennoch: Wer sich heute an einem Bogen versucht, wird erst einmal froh sein, wenn der Pfeil mehr als einen Meter weit und einigermaßen gerade fliegt. Irgendwie hat sich das Bogenschießen nicht in unseren Genen festgesetzt.

Pfeilspitzen, die aus Steinen gehauen wurden, sind die ältesten Zeugen der Bogenschießkunst, die man finden konnte. Auch Höhlenmalereien zeigen Darstellungen von Bögen aus der Steinzeit, die zur Jagd benutzt werden. Man geht davon aus, dass wir Menschen seit mindestes 14.000 Jahren mit Pfeil und Bogen auf die Jagd gegangen sind. Vollständig erhaltene  Pfeile wurde übrigens in einem Moor bei Hamburg gefunden – sie waren aus Kiefernholz und hatten Spitzen aus Feuerstein. Dieses Material hatte den Vorteil, dass es beim Zerhauen Stücke mit sehr scharfen Kanten produziert.

 

Bogen als Waffe

Bald erkannte man aber auch, dass der Bogen nicht nur zur Jagd auf Tiere, sondern auch auf Menschen verwendet wurden kann, und Herrscher in allen Kulturen bildeten ihre Soldaten unter anderm als Bogenschützen aus. Vor allem im Mittelalter gewannen diese an Bedeutung, weil der Boden zunächst die einzige Distanzwaffe außer der Steinschleuder war. Er wurde erst durch die Feuerwaffen abgelöst. Dennoch wird der Bogen heute immer noch auch als Waffe verwendet, weil er geräuschlos abgefeuert werden kann.

 

Erst im 19. Jahrhundert entwickelte sich das Bogenschießen in Europa  zum Volkssport. Ausgehend von England wurde es in Belgien populär und breitete sich dann auf dem Kontinent aus. Bald folgten auch die ersten Wettbewerbe. Bogenschießen war sowohl bei Männern als auch bei Frauen beliebt – letzteren war die Sportart erlaubt, weil sie als anmutig und nicht körperlich herausfordernd galt. Es waren vor allem unverheiratete Frauen, die aufs Ziel schossen, und man geht davon aus, dass sie zumindest in der Mitte des 19. Jahrhunderts die Mehrheit der Bogenschützen bildeten.

 

Jagd in Deutschland verboten

Bei den olympischen Spielen 1900 und in den nachfolgenden Jahren vor den Kriegen war Bogenschießen eine Disziplin, nach dem Krieg machte es eine Pause und wurde erst wieder 1972 zugelassen.

Geschossen wird auf eine Zielscheibe, die je nach Wettbewerb in Größe und Distanz variiert. Früher war die Mitte schwarz ausgefüllt, woher auch das Sprichwort “ins Schwarze treffen” stammt. Heute sind sie in der Mitte gelb, dann kommt ein roter, ein blauer und ein schwarzer Kreis. Neben dem Schießen mit hochtechnischen olympischen Bogen gibt es auch das Feldbogenschießen. Dabei geht es darum mit einem traditionellen Holzbogen, so genannten Langbogen,  im Feld Ziele zu treffen, meistens Attrappen von Tieren. Sie können auch zur Jagd eingesetzt werden, allerdings ist die Bogenjagd in  Deutschland, Österreich, Schweiz, Vereinigtes Königreich, Irland, Island, Griechenland und in Rumänien gesetzlich verboten. In den anderen Ländern ist sie aber im Rahmen der dortigen Jagdgesetz grundsätzlich möglich.

 

Beim traditionellen oder auch intuitiven Bogenschießen wird auf das Visier verzichtet und nur mit dem bloßen Auge und ohne Hilfsmittel gezielt.